Spielbericht aus dem Rat der Stadt Bochum

(Spieltag vom 05.05.2022, Lesedauer 6 Minuten)

Das heutige Spiel findet wieder im RuhrCongress statt, diesmal aber in den oberen Gefilden. Dort gibt es zwar etwas weniger Platz, aber dafür eine viel viel bessere Sitzordnung, denn der sehr gute Betriebsunfall der sehr guten Partei Die PARTEI wird jetzt tatsächlich nahezu in der Mitte platziert und fühlt sich mal so richtig XXM. Witzigerweise ist das links von fDP und Freien Wählern, direkt hinter Moritz von die Linke (der ist heute alleine, die anderen zerfasern sich wahrscheinlich parallel woanders gegenseitig) und rechts von der cDU. Strange, aber mal deutlich besser, als in direkter Gesellschaft von FaschistX oder SchwurblX. So kann man nämlich mal richtig Turbopolitik machen, ohne in der Ecke zu sitzen und von allen ignoriert zu werden, kein zwinkersmiley. Ein paar organisatorische Dinge klären sich ebenfalls schnell, ein sehr gutes Büro im Nebengebäude ist in Mache und muss nur noch ein wenig renoviert werden, Sach- und Personalmittelzuweisung sind in Klärung, eine eigene „bochum.de – Mailadresse“ gibt’s nicht, dafür wird Die PARTEI hier schnell ganz groß geschrieben. Vielen lieben Dank, so lässt sich arbeiten!

Ein Akronym ist ein Akronym ist ein Akronym

Nicht ganz pünktlich pfeift die Partie heute überraschend Bürgermeisterin Gaby Schäfer (nicht zu verwechseln mit der aus Funk und BV bekannten Babo Gaby) von der sPD an, denn unser Mayor of Peace hat Männerschnupfen – haha, da haben aber alle mal gelacht -, so dass die 3 BürgermeistX die Partie im Team leiten wollen, was tatsächlich recht gut funktioniert. Schnell ist das Terrain abgesteckt, sowohl Koalition als auch Opposition gefallen sich in Mittelfeldgeplänkel bei der ersten wichtigeren Abstimmung, in der es um die Vertrags-Verlängerung unseres Schauspielhaus-Star-Intendanten geht. Auch wenn der alt und männlich ist, ist der aber sehr gut, wenn nicht sogar erstklassig, meint auch der sehr gute Betriebsunfall der sehr guten Partei Die PARTEI, muss dafür aber keine Rede halten, denn das tun ja alle anderen Subgruppen schon unterschiedlich dumm. Somit darf Herr Simons also auch weiterhin seinen Gender-Gaga fabrizieren, zwinkersmiley.

Zäh ist und bleibt es aber alle Male, viel zu sagen von vielen gibt’s nämlich jetzt auch zum regionalen Flächennutzungsplan und dem Regionalplan Ruhr, in denen unsere Zukunft aber so was von determiniert wird, dass es schon fast nicht mehr feierlich ist. Und nach 1 Stunde lernen wir bei der Unterzeichnung der „Musterresolution Nachhaltige Entwicklung“, dass es einen Klimanotstand gibt, über den man nicht abstimmen kann, so eine symbolische Resolution so weh jetzt aber auch nicht tut, zumal Nachhaltigkeit natürlich mehr ist als Klimagedöns. Prima, Bochum ist dabei. Dann sind wie immer die Gleichen für jede Menge verkaufsoffene Sonntage, bei gerade 8 Gegenstimmen gehört der Papi auch dieses Jahr wieder dem Konsum resp. der Wirtschaft, schulterzuckemoji und zack sind wir mittendrin in den Anträgen. Von denen stehen heute läppische 20 zur Abstimmung, einige – aber nicht alle – entpuppen sich als überflüssig; Barrierefreiheit wird aber auf jeden Fall noch schnell ohne Erläuterung fett gefördert von allen DemokratX, bevor die sichtlich müde gespielte Frau Schäfer zur wohlverdienten Pause pfeift.

Weiter geht’s jetzt nämlich mit dem Herrn Dewender von der cDU (dem seine Frau ist glaubich übrigens Kollegin in der Bezirksvertretung, Zufälle gibt’s 😉) und einer krassen Haushaltsdebatte, wie sie im Buche steht, obwohl noch gar kein Haushalt ansteht. Denn natürlich gibt es unglaublich viele Dinge, für die unglaublich viel Geld ausgegeben werden muss und dazu dürfen wiederum unglaublich viele Tüpen eine Rede halten und random alles Mögliche fordern. Das Sammelsurium von Themen haben auf jeden Fall alle gut drauf und nur weil bei Stadtgestalten Satire draufsteht, ist noch lange keine Satire drin. Schlimm, die haben übrigens immer noch keine Franchisegebühren überwiesen!!! Der sehr gute Betriebsunfall der sehr guten Partei Die PARTEI verstößt bei der Abstimmung über den cDU-Antrag (irgendwas mit Steuersenkungen) übrigens indes lässig gegen irgendwelche „Spielregeln“, die ihm niemand erklärt hatte und stimmt als einziger dagegen. Macht man wohl nicht, weil von wegen Prüfauftrag und so, naja, die meisten haben sich enthalten, soll die Verwaltung also mal prüfen, Ihre Meinung ist uns egal…

Hell hier heute

Spannend wird es im nächsten Spielabschnitt dann auf einmal bei irgendwas mit Radwegen und Grillplätzen. Erstaunlich schlechte RednX dürfen ihre Themen vortragen, aber eigentlich ist ja alles klar, denn es wird peu à peu immer mehr Radwege geben und gegrillt wird weiterhin längst nicht überall, auch wenn das mal nicht kontrolliert werden kann oder weder Grillscout (ernsthaft) noch Ordnungsdienst am Start sind. Ja zu Grillplätzen, nein zu Grillplätzen: Tragisch dabei ist allerdings in erster Linie, dass weder von Pommes dazu noch von Mayo die Rede ist und viel zu wenig kommerzielle Angebote den Leuten dabei das Geld aus der Tasche ziehen dürfen.

20 nach 6 ist es übrigens mittlerweile und Frau Demir von den gRÜNEN übernimmt die Spätschicht, bei der sie allerdings eine recht ruhige Kugel schieben kann. Denn die großen Themen sind vom Tisch, Moos für die Unterbringung von Ukraine-Flüchtenden wird es so oder so geben und weder ein Umsetzungsregister noch ein Projektmanagement noch ein Antragsmanagement wird eingeführt, auch wenn so ein Register für einen Einzelmandatsträgen vielleicht sogar wirklich nice wäre, wobei der sich wiederum doch mittlerweile sehr gut im Ratsinformationssystem auskennt und das ja immer besser wird. Und schon befinden wir uns in der verhältnismäßig ruhigen Schlussphase der Partie, die letzten Kräfte werden in der Rubrik Mitteilungen und Anfragen mobilisiert. So fragt die cDU noch einmal vehement nach vandalismussicheren Tamponspendern (voll progressiv, oder?), doch dann ist die Luft bereits raus, denn auch die sehr gute Anfrage „Unterstützung für obdach- resp. wohnungslose WählX“ des sehr guten Betriebsunfalls der sehr guten Partei Die PARTEI wird nicht weiter vertieft. Um 18:55h geht es somit also in die Nachspielzeit, in der wie gewohnt diverse konspirative Geschäfte getätigt werden. Sieben Minuten dauert das diesmal, alles easy, nicht schlecht das heutige Spiel, wenn man bedenkt, dass sich große Teile der Gruppe in der aktuellen Saisonphase intensiv mit Deiner letzten Wahl oder Klassenkampf oder Abstiegsangst beschäftigen.

Weiter geht es mit der nächsten Runde Turbopolitik bereits am 21.06. (15:00h, RuhrCongress), wenn es hoffentlich heißt: „Immerhin schönes Wetter!“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.